Kurzinformation zur ÖNORM B 3417

Die ÖNORM B 3417 regelt umfassend die Sicherheitsausstattung von Dächern, um Arbeitsunfälle bei Nutzung, Wartung und Instandhaltung von Dachflächen zu vermeiden.

Dächer gehören zweifellos zu den gefährlichsten Arbeitsplätzen. Ein unachtsamer Moment kann schwerwiegende, ja tödliche Folgen haben. Die Statistik 2008 der Allgemeinen Unfallversicherungsanstalt AUVA spricht eine klare Sprache: Jeder vierte tödliche Arbeitsunfall passiert beim Arbeiten am Dach.

Um die Sicherheit der betroffenen Personen zu erhöhen und Unfällen vorzubeugen,
wurde nun die ÖNORM B 3417 entwickelt. Diese Norm, veröffentlicht mit 15. Juli 2010, dokumentiert den Stand der Technik für ständig am Dach angebrachte Sicherheitsausstattungen und regelt die Klassifizierung von Steil- und Flachdächern entsprechend ihrer Nutzung sowie der notwendigen Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten. Damit schafft diese Norm eine der Voraussetzungen für die Umsetzung der geltenden Arbeitnehmerschutzbestimmungen und des Bauarbeitenkoordinationsgesetzes.

Sie regelt im Wesentlichen die Planung der Sicherheitsausstattung für die spätere Nutzung, Wartung und Instandhaltung von Dächern und dient als Planungs- und Entscheidungsgrundlage für Auftraggeber und Auftragnehmer, um Dachflächen entsprechend der Nutzung und der erforderlichen Wartungsintensität zu klassifizieren. Sie definiert dazu insgesamt vier Ausstattungsklassen in Abhängigkeit von Nutzung, Wartungsintervall und Personengruppen (Dachdecker, Spengler, Lüftungstechniker etc.). Auf Basis dieser ÖNORM wird eine klare Grundlage für Ausschreibung und Vergabe geschaffen und die Rechtssicherheit für Auftraggeber und Auftragnehmer wesentlich verbessert. Die genauen Anforderungen an Dachsicherheitssysteme (z. B. Einzelanschlagpunkte, Trittstufen, Laufstege mit Geländer, mobile Anschlageinrichtungen und Anschlageinrichtungen mit horizontaler Führung) sind ebenfalls in dieser Norm geregelt.

Im informativen Anhang B findet sich auch ein Flussdiagramm zur sachkundigen Prüfung von Anschlageinrichtungen, um festzustellen, ob eine bestehende Einrichtung in Ordnung ist oder ersetzt werden muss.

Die neue ÖNORM B 3417 ersetzt die bisher gültige ON-Regel ONR 22219-1 aus dem Jahr 2004. Gegenüber diesem Dokument sind nun Sicherheitsmaßnahmen, Mindestausstattungen und Klassifizierungen umfassender geregelt. Nicht mehr enthalten sind die Kennzeichen zum Sicherheitssystem sowie die Hinweise zum Blitzschutz.

Schutz vor Dachlawinen

Was bei der Planung und Ausführung von Schneeschutzeinrichtungen auf Dächern zu beachten ist, steht in der neuen ÖNORM B 3418.

So sehr sich Wintersportler über ausreichend Schnee freuen, so sehr können Schneemassen bei Witterungswechsel oder bei der Schneeschmelze im Frühjahr auch unangenehme Folgen mit sich bringen. Schneemassen, die von Dächern abrutschen, können parkende Fahrzeuge beschädigen oder gar Personen verletzen – mit recht unangenehmen rechtlichen Konsequenzen für den Hausbesitzer. Denn in den diversen Bauordnungen der Bundesländer fordert der Gesetzgeber entsprechende Maßnahmen, um ein Abrutschen der Schneemassen von Dächern zu verhindern.

Dazu stehen unterschiedliche Schneeschutzsysteme zur Verfügung. Ihre fachgerechte Planung und Ausführung ist nun erstmals in einer eigenen Norm festgelegt. Die mit 15. Juli 2010 veröffentlichte ÖNORM B 3418 gilt für alle geneigten oder gekrümmten Dächer mit einer Neigung von bis zu 60° und unabhängig von der jeweiligen Dacheindeckung und -abdichtung. In der Regel werden diese Schneeschutzsysteme im Traufenbereich des Daches einreihig verlegt. Dies gilt aber nur in weniger schneereichen Gebieten oder bei kleineren Dachflächen. Bei großen, steilen oder glatten Dächern in Gegenden mit hohem Schneeaufkommen sind geeignete Kombinationen zu verwenden, wie lineare mehrreihige Barrieren (z. B. Schneefanggitter, Rohre, Hölzer etc.), flächenmäßig verteilte punktförmige Elemente (z. B. Schneehaltesteine, -ziegel etc.) oder eine Kombination aus beiden.

In der ÖNORM B 3418 werden für die unterschiedlichen Produkte an Schneehaltesystemen die Anforderungen im Hinblick auf Statik, Form, Abmessungen und Material beschrieben. Für die statische Bemessung von Schneeschutzsystemen ist die Belastung gemäß Eurocode ÖNORM EN 1991-1-3 und dem dazugehörigen Nationalen Anhang ÖNORM B 1991-1-3 zu ermitteln. Sie ist abhängig vom Standort des Objekts (Meereshöhe, Schneelast-Zonenkarte) und der Dachneigung. Hinweise für die Prüfungen der einzelnen Systeme finden sich im (informativen) Anhang A der ÖNORM B 3418 mit Angaben zur Anzahl der Prüfproben, der Prüfkraft und zum Sicherheitsfaktor.

Trotz fachgerechter Ausführung der Schneeschutzsysteme kann es jedoch, wie in der Norm ausdrücklich hingewiesen wird, bei außerordentlichen Verhältnissen (z.B. Verwehung, ungünstigen Schneeschichtungen) zum Abrutschen des Schnees kommen. Dann ist der Hausbesitzer gefordert, sofort die Entfernung gefährlicher Schneemassen zu veranlassen.

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Quelle: WKO